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Stadtklima
Herdecke gehört dem maritim beeinflußten nordwestdeutschen Klimabereich an. Seine Lage im Niederbergisch-Märkischen Hügelland bedingt ein niederschlagsreicheres Klima im Vergleich zum mäßig feuchten Klima der nördlich angrenzenden Hellwegbörde. Das Gebiet ist geprägt durch relativ milde, regnerische Winter und etwas feuchtere Sommer.
Der jährliche Niederschlag beträgt im Mittel 850 - 900 mm. Davon fallen 400 - 450 mm in der Vegetationsperiode (Mai - September).
Das Jahresmittel der Lufttemperatur lag 1992 bei 10,6°C (Wetterstation Hagen-Fley), bei einer Abweichung vom langjährigen Mittel von 1°C. Im Januar beträgt die Mitteltemperatur 1-2°C, im Juli 17-18°C. Die mittlere Sonnenscheindauer im Jahr beläuft sich auf 1.300 bis 1.400 Stunden. Zum Vergleich: In Freiburg sind es im Mittel 1.808 Stunden.
KlimatopeDas Stadtklima wird gemäß der Synthetischen Klimafunktionskarte Ruhrgebiet (KVR) nach locker bebauten Siedlungsbereichen (Siedlungsklima), dicht bebautem Stadtgebiet (Stadtklima) und Stadtkern (Innenstadtklima) unterschieden.
Diese unterschiedlichen Klimatope weisen in Abhängigkeit von Bebauungsdichte, Versiegelungsgrad und städtischer Geometrie ein unterschiedliches städtisches Klima auf. Mit zunehmender Versiegelung geht auch eine Temperaturzunahme einher, die Strahlung wird überwiegend durch die städtische Dunstglocke verringert und der Luftaustausch durch die hohe Rauhigkeit der Baukörper reduziert.
In Herdecke weisen die Wohnsiedlungsbereiche Stadtmitte, Kirchende/Westende, Ostende und Ahlenberg aufgrund der relativ lockeren Bebauung und gut durchgrünter Wohnsiedlungen ein Siedlungsklima ohne Austauschprobleme und mit meist guten Bioklimaten auf.
Die weiträumigen Waldflächen im Süden sind gekennzeichnet durch ein Waldklima mit geringen Temperaturschwankungen und fungieren daher als bioklimatisch wertvoller Erholungsraum.
Bedeutung z.B. für den Flächennutzungsplan besitzen die Klimatope Gewässerklima und Waldklima, da sie aufgrund ihrer Funktion als bioklimatisch und lufthygienisch wertvoller Erholungsraum nach Möglichkeit von einer Bebauung freizuhalten sind.
Bioklimatische Lasträume sind nach Möglichkeit von Wohnbebauung und Emittenten freizuhalten, da die Gefahr von Talinversionen und damit Schadstoffkonzentrationen hier am höchsten ist. Dazu zählen in Herdecke die Niederungsbereiche entlang der Ruhr und Tallagen in den Nebentälern der Ruhr.
Die nebenstehende Karte weist die unterschiedlichen Klimatope, bioklimatischen Lasträume und die Grenze des Luftgüteindex aus.
LuftgüteGemäß einer 1991 durchgeführten Untersuchung ist das Stadtgebiet von Herdecke in zwei Luftgütezonen unterteilt, die unterschiedliche Luftgüteindices - ermittelt mit Flechten als Bioindikatoren - ausweisen.
Der Bereich um den alten Stadtkern und die Gewerbeflächen am Ruhrufer wiesen einen Luftgüteindex von 1,0 auf, was einer hohen Belastung entspricht. Eine Nutzung dieser Gebiete für Wohnbebauung sollte nur unter Ergreifung geeigneter Maßnahmen zur optimalen Gestaltung der mikroklimatischen und lufthygienischen Verhältnisse bei den gegebenen Bedingungen stattfinden.
Das übrige Stadtgebiet wies mit einem nur geringfügig höheren Luftgüteindex von 1,1 - 1,2 immer noch eine ziemlich hohe Belastung auf, die allerdings auf die überörtliche Grundbelastung zurückzuführen war. Auch in diesem Bereich sollten im Sinne des Vorsorgegedankens geeignete Maßnahmen bei der Bebauungsplanung ergriffen werden.
Die Luftqualität im Stadtgebiet von Herdecke ist vergleichbar mit der Luftqualität anderer Städte in Ballungsraumrandlage. Die Immissionsbelastung stammt zum größten Teil von Quellen außerhalb des Stadtgebietes.
Da die Immissionsbelastung seit 1991 insbesondere bei Schwefeldioxid deutlich rückläufig ist (s. Grafik auf Seite 9) haben sich auch die Bedingungen für Flechten weiter verbessert. Wurden 1991 noch 10 Flechtenarten im Herdecker Stadtgebiet kartiert, so finden sich im Ruhrgebiet mittlerweile wieder 59 epiphytische Flechtenarten. Eine Wiederholungsuntersuchung der Nachbarstadt Dortmund hat dort bereits im Jahr 1997 eine Verbesserung der Luftgütesituation nachgewiesen. Die Luftgüte-Indizes der Stadt Herdecke werden demnach aktuell jeweils eine Gütestufe besser ausfallen als die 1991er Untersuchung.
Unabhängig von dieser Verbesserung haben die lufthygienischen Planungshinweise weiterhin Bedeutung. Kaltluftabflußbahnen wie das Ender Tal sind auf jeden Fall von Bebauung freizuhalten.
Bedeutung von FreiräumenFreiräume mit Bäumen und Sträuchern bilden ein eigenes Bestandsklima, das durch folgende Faktoren gekennzeichnet ist:
- die Temperatur der Gärten, Friedhöfe und Parks ist ausgeglichen; sie sind bei Tag durch die Schattenwirkung und Verdunstung kühler, bei Nacht wärmer als ihre Umgebung;
- die Freiräume erzeugen selbst keinen Staub, können aber Staub aus der Umgebung an den Blättern binden (Filterwirkung);
- die Windgeschwindigkeit wird im Bestand des Freiraumes herabgesetzt.
In dicht gebauten Gebieten wirken sich auch kleine Freiräume auf diese Weise positiv aus, wenn sie mit Gehölzen, möglichst mit Bäumen bestanden sind. Um u.a. die klimatischen Bedingungen zu verbessern, wurden in den letzten 15 jahren ca. 1.500 Bäume in den Grünanlagen und Straßenräumen neu gepflanzt. Faßt man die Kronenfläche aller Neupflanzungen in ca. 30 Jahren zusammen, so werden ca. 12 ha allein durch „Neubäume" beschattet.
Die Kaltluft ist ebenfalls ein wichtiger Faktor der Klimaregulierung. Durch Freihalten von Strömungsbahnen trägt der "Abfluss" der Kaltluft aus den "Kaltluftentstehungsgebieten" (landwirtschaftliche Flächen) in die wärmeren Stadtgebiete zu einer stadthygienisch positiven kühlenden Wirkung bei.
Nicht zu verwechseln sind Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas und des kommunalen Klimaschutzes. Bei letzterem geht es darum, durch Maßnahmen des Energie- und CO2-Sparens einen kommunalen Beitrag gegen den globalen Treibhauseffekt zu leisten (siehe „Klimaschutz durch Klimacontracting").
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Umweltbericht Herdecke 2004 www.herdecke.de |
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