Umweltbericht Herdecke 2004 ZurückWeiter


Klimaschutz durch Klimacontracting

Der globale Klimawandel ist eine Bedrohung, deren erste negative Auswirkungen auf Mensch und Natur bereits heute zu spüren sind. Aufgrund der Trägheit des Klimasystems wird sich diese Entwicklung nicht mehr gänzlich verhindern lassen. Noch können allerdings durch Zusammenarbeit der Staatengemeinschaft und durch nationale Anstrengungen die CO2-Konzentration stabilisiert und so die schwer wiegendsten Klimawirkungen verhindert werden."

So beginnt der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen seinen Bericht „Über Kioto hinaus denken - Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert" (WBGU, 2003)

Zur Abwehr gefährlicher Klimaveränderungen muss demnach die „Klimaleitplanke" einer maximalen Erwärmung um 2°C gegenüber vorindustriellen Werten eingehalten werden. Da die globale Mitteltemperatur seit der Industrialisierung bereits um 0,6°C gestiegen ist, ist eine weitere Erwärmung von nur noch 1,4°C tolerabel.

Bei Ökosystemen sind die Effekte der Klimaänderungen schon heute erkennbar. Auch für die weltweite Ernährungssicherheit scheint die Grenze in diesem Bereich zu liegen, denn oberhalb dieses Wertes ist mit klimabedingten weltweiten Verlusten der Agrarproduktion sowie mit einem starken Anstieg der Anzahl der von Wassermangel bedrohten Menschen zu rechnen. Zudem könnte der Klimawandel singuläre, katastrophale Veränderungen im Erdystem hervorrufen, wie z. B. die Umsteuerung der weltweiten Ozeanzirkulation, das Schmelzen großer Eisschilde (Westantarktis, Grönland) oder das plötzliche Freisetzen riesiger Methanreserven.

CO2-Reduktionsziele

Um die Klimaleitplanke einer maximalen Erwärmung um 2°C (globales Mittel) einzuhalten, müssen die globalen energie- und industriebedingten CO2-Emissionen bis 2050 um etwa 45-60% gegenüber 1990 reduziert werden. Die Industrieländer werden ihren Ausstoß von Treibhausgasen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe bis 2020 um mindestens 20% verringern müssen.

Schon auf dem Weltgipfel in Rio 1992 wurde im Rahmen der Klimarahmenkonvention vereinbart, die Treibhausgase weltweit zu stabilisieren. 1997 wurden dann in Kyoto rechtsverbindliche Zusagen vor allem der Industriestaaten festgehalten: Die Industriestaaten sollten die Emissionen um insgesamt 5 % bis zum Zeitraum 2008-2012 gegenüber 1990 senken. Deutschland hat sich in Kyoto bzw. im Rahmen der EU-Lastenteilung verpflichtet, bis zum Zeitraum 2008-2012 insgesamt 21% weniger klimaschädliche Gase zu produzieren als 1990.

Insbesondere das Langfristziel bis 2050 bedarf erheblicher Anstrengungen hinsichtlich der Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energien.

Klimacontracting

Um diese Kraftanstrengung angesichts der kommunalen Finanzkrise bewerkstelligen zu können, ist die Stadt Herdecke neue Wege gegangen. Motivation und Grundidee war es, den Haushalt der Stadt um den Etat für die energiewirtschaftlichen Investitionsmittel zu entlasten und gleichzeitig den Einsatz ressourcensparender und umweltschonender Technik zu fördern.

Vorhandene Einsparpotentiale bei der Energieumwandlung und Verwendung in städtischen Gebäuden sollten einen Teil der notwendigen Maßnahmen finanzieren.

Erneuerte Heizungsanlage

Beim Klimacontracting finanzieren sich moderne Heizungsanlagen aus den Energieeinsparungen und reduzieren das Treibhausgas Kohlendioxid.

Nach gründlicher Vorbereitung wurde mit den beiden regionalen Energieversorgern DEW (Dortmunder Energie und Wasser) sowie Mark-E ein Vertrag geschlossen.

Seit dem 1. Januar 2001 sind diese Unternehmen für die energetische Bewirtschaftung von insgesamt 15 städtischen und öffentlich genutzten Gebäuden in Herdecke zuständig. Die wesentlichen Aufgabengebiete der Energiesparpartnerschaft sind optimiertes, energiesparendes Betreiben der Anlagen, Wartung und Instandhaltung der neuen Anlagen sowie die Erneuerung der vereinbarten Anlagentechnik.

CO2-Sparziel:18 %

Erklärtes und gegenüber der Stadt Herdecke garantiertes Ziel ist es, den Wärmeverbrauch um 18,7 %, den Stromverbrauch um 5,8 % und, damit verbunden, den Ausstoß von jährlich mehr als 18 % des Treibhausgases CO2 in den bewirtschafteten Gebäuden zu reduzieren. Hierfür erhalten die Unternehmen ein Budget in Höhe der Einsparquote zuzüglich Kosten für die Instandhaltung, das Controlling sowie über die Einsparmaßnahmen hinausgehende, parallel verwirklichte Sanierungen.

Bis Ende 2002 wurde in allen Liegenschaften die Wärmeerzeugung, samt zugehöriger Mess-, Steuer- und Regeltechnik erneuert bzw. saniert. Bei Gesamtinvestitionen von 1,9 Mio Euro werden in der vertraglich festgelegten Laufzeit von zwölf Jahren immerhin 0,5 Mio. Euro aus der Energieeinsparung erwirtschaftet.

Tabelle 6:
Nach dem Klimacontracting bewirtschaftete Gebäude

Feuerwache
Grundschule im Dorf
Gymnasium Friedrich-Harkort
Mehrzweckhalle Westender Weg
Albert Schweitzer Schule
Grundschule Kirchende
Grundschule Schraberg
Bauhof
Grundschule Robert Bonnermann
Rathaus
Sportzentrum Bleichstein
Sportzentrum Kalkheck
Hauptschule
Musikschule
Ringerzentrum

Ab 2003 wurden auch die Grundschule Vinkenberg, die Realschule und das Jugendzentrum Bachplatz in das Controlling, mit monatlicher Erfassung der Verbrauchswerte, einbezogen. Erst das genaue Controlling erlaubt die Feinsteuerung der Mess- und Regeltechnik und die Entwicklung weitergehender Maßnahmen.

Ziel mehr als erreicht

Die Auswertung der IST-Einsparung für das Jahr 2003 zeigt wie im Vorjahr, dass das Einsparziel mehr als erreicht wurde.

Bei den Wärmeanlagen wurde mit 39,2 % CO2 der Soll-Wert von 18,7 % übertroffen und im Strom-Sektor lag die Ist-Einsparung mit 14,3 % über den veranschlagten 5,8 %.

Holzpelletfeuerung

Innovative Technologien, wie z.B. das „Null-Emissions-Projekt" Sportzentrum Kalkheck, sind mittlerweile weit über die Grenzen Herdeckes hinaus bekannt. Im Jahr 2002 wurde das Objekt im Rahmen verschiedener Veranstaltungen vorgestellt und besichtigt. Die Anlage ist aktuell das einzige Projekt dieser Größenordnung in der Region und unterstreicht somit den Vorbildcharakter der Stadt Herdecke auf dem Gebiet des Einsatzes neuer und umweltschonender Techniken.

Insgesamt erzielt dieses Projekt durch die Substitution elektrischer Energie pro Jahr eine Senkung des Treibhausgases CO2 von ca. 73,5 t.

Beim Sportzentrum Kalkheck wird die Wärme für Heizzwecke und Warmwasserbereitung über eine Holzpelletfeuerung und eine 50 m² große Solarthermieanlage bereitgestellt.

Abb. 13: 
Holzpelletkessel im Sportzentrum Kalkheck

Holzpelletkessel im Sportzentrum Kalkheck

Mit der Wärmepumpenanlage im Objekt Freizeitbad Bleichstein hat die Stadt Herdecke eine der größten Anlagen dieser Art in Betrieb. Mit der Wärmepumpe, welche der Ruhr Wärme zur Beheizung des Freibades entzieht, wird das Beckenwasser temperiert.

Freizeitbad Bleichstein

Abb. 14: Die Wärmepumpenanlage im Freizeitbad Bleichstein ist Teil des 'Energiewirtschaftlichen Wanderwegs Herdecke'

Energiewirtschaftlicher Wanderweg

Das Gymnasium Friedrich-Harkort ist mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Durch den jährlichen Stromertrag können 2,5 t CO2 pro Jahr gegenüber einer herkömmlichen Bereitstellung elektrischer Energie vermieden werden.

Mit der Strommenge konnten, bei einer Einspeisevergütung von 50,62 Ct/kWh, insgesamt 2.073 EUR Erlös erzielt werden.

Die Daten der Anlage werden an einem Display angezeigt und sind somit für die Schüler transparent. Weiterhin werden die Messwerte in das EDV-System der Schule eingespeist, so dass die Daten zur weiteren Auswertung im Unterricht zur Verfügung stehen.

Energiewirtschaftlicher Wanderweg

Umweltbericht Herdecke 2004
www.herdecke.de
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