Umweltbericht Herdecke 2004 ZurückWeiter


Das Kanalnetz

Bevor die Schmutzwässer behandelt werden können, müssen sie in der Kanalisation gesammelt und der Kläranlage zugeleitet werden.

Die Abwassersammlung und -beseitigung ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Sie erstellen Abwasserbeseitigungskonzepte, in denen die Art der Maßnahmen, der Zeitpunkt der Durchführung und die geschätzten Kosten festgelegt werden.

Von den relativ kleinen Rohren der Hausanschlüsse bis hin zum Hauptabwasserkanal, der die einzelnen Ortsteile miteinander verbindet, werden die Querschnitte der Abwasserleitungen immer größer. Der größte Kanalquerschnitt in Herdecke beträgt 3 Meter, ca. 80 % der Kanäle im Herdecker Stadtgebiet haben Querschnitte von maximal 40 cm.

Mischsystem + Trennsystem

Schmutz- und Regenwasser fließen entweder in einer gemeinsamen Leitung (Mischsystem) oder in zwei verschiedenen Kanälen (Trennsystem) ab. Beide Systeme haben spezifische Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt.

Trennverfahren: Hierbei gibt es zwei getrennte Leitungsnetze, eines für das Schmutzwasser und eines für das Regenwasser. Zur Kläranlage führt nur der Schmutzwasserkanal. Das Regenwasser wird also unbehandelt (ggf. über ein Absetzbecken) in das nächste Gewässer eingeleitet. Das bedeutet auch, dass z. B. Ölflecken und jede Autowäsche auf der Straße oder im Garagenhof beim Trennsystem ungereinigt in den nächsten Bach gelangt. Ein weiterer Nachteil besteht durch die Gefahr von Fehlanschlüssen, wenn z. B. der Hausanschluss falsch an den Regenwasserkanal angeschlossen wurde, gelangt ebenfalls das Schmutzwasser direkt in das nächste Gewässer.

Mischverfahren: Hier werden Schmutz- und Regenwasser in einem gemeinsamen Kanalnetz der Kläranlage zugeleitet. Dies klingt aus gewässerökologischer Sicht zunächst optimal. Aber auch dieses System besitzt Schwachpunkte. Um für den Fall eines außergewöhnlich starken Regens vorbereitet zu sein, müssten die Kanäle und die Kläranlage um ein Vielfaches größer angelegt werden als es der Normalbetrieb erfordert. Dies hätte auch unvertretbar hohe Kosten zur Folge und wird daher auch nicht praktiziert. Um nun aber auch bei Starkregen eine ordnungsgemäße Entwässerung zu gewährleisten, werden sogenannte Entlastungsbauwerke installiert. Diese
halten bei kritischem Pegelstand im Kanal die Wassermassen zurück und geben einen Teil des Wassers in die Vorfluter (Bäche) ab. Dabei handelt es sich in diesem Fall um ein Gemisch aus Regenwasser und fäkalienhaltigen Haushaltsabwässern.

Entlastungsbauwerke

Zu den Entlastungsbauwerken zählt man Regenüberlaufbecken, Stauraumkanäle und Regenüberläufe. Während Regenüberläufe als reine Abschlagsbauwerke bei überhöhtem Pegelstand die überschüssigen Wassermassen direkt in die Vorfluter abgeben, speichern Regenüberlaufbecken und Stauraumkanäle die plötzlich anfallenden Wassermassen und geben sie durch einen engen Abfluss langsam wieder ab. Dann ist der zumeist kurze und heftige Starkregen schon wieder abgeklungen und die Kanalisation arbeitet wieder "normal". Das heißt, dass bei dem Erreichen des kritischen Pegelstandes die Regenüberlauf-Abwässer immer in ein Gewässer eingeleitet werden, um die zu enge Kanalisation zu entlasten, während Stauraumkanäle und Regenüberlaufbecken dies aufgrund ihrer Speicherkapazität häufig nicht tun. Das gilt aber nur, falls der Regen nicht zu lange andauert (ca. 15 min) bzw. nicht zu heftig ist.

Einem Regenüberlaufbecken oder Stauraumkanal wird häufiger auch ein Regenrückhaltebecken nachgeschaltet, damit die Wassermassen nicht auf einen Schlag dem Fluss oder Bach zugeleitet werden.

In Herdecke gibt es zur Zeit 4 Regenüberlaufbecken und 4 Stauraumkanäle. Regenüberläufe sind nur noch 3 Stück in Betrieb.

Das Mischverfahren verursacht in der Regel beim Neubau geringere Kosten als das Trennverfahren, da nur ein Kanal notwendig ist. Jedoch ist die Verschmutzung bei Starkregen größer als beim Trennverfahren, da auch Fäkalien bei Entlastung durch Regenüberläufe ohne Klärung in die Gewässer gelangen. Dafür wird bei Regenbeginn und kleineren Regenfällen der Schmutz der Straßen von den Gewässern ferngehalten.

Fast 100 km Kanäle

Im Stadtgebiet von Herdecke sind 97,6 km städtische Kanalisation verlegt. Der mit 80% überwiegende Teil davon ist im Mischverfahren, mit Abschlagsbauwerken, Stauraumkanälen und Regenüberlaufbecken, angelegt. Die restlichen Strecken verteilen sich auf Schmutz- und Regenwasserkanäle im Trennsystem.

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Einige Straßen sind mit gesonderten Regenwasserkanälen bestückt. In diesen Gebieten wirken sich Verunreinigungen, die in die Kanalisation gelangen, z. B. durch Motorwäsche, besonders drastisch aus, da diese Wässer ungeklärt in die natürlichen Gewässer fließen.

Tabelle 5: Kenngrößen zum Kanalnetz in Herdecke

Einzugsgebietsgröße
705 ha
Befestigter Anteil
260 ha
Befestigungsgrad
36,9 %
Anzahl der angeschlossenen Einwohner
25.455
Anschlussgrad
97,7 %
Gesamtlänge der Kanäle
97,55 km
Mischwasserkanäle
76,85 km
Schmutzwasserkanäle
11,74 km
Regenwasserkanäle
8,96 km
Größter Kanaldurchmesser
3 m
Anzahl der Regenüberlaufbecken
4
Gesamtvolumen der Regenüberlaufbecken
2.353 m³
Anzahl der Stauraumkanäle
4
Gesamtvolumen der Stauraumkanäle
3.520 m³
Anzahl der Regenüberläufe
3
Anzahl der Regenrückhaltebecken
1
Gesamtvolumen des Regenrückhaltebeckens
2.404 m³
Was gehört nicht in das Abwasser?

Abwasserbehandlung und Müllbeseitigung dürfen nicht miteinander verwechselt werden: Die Toilette ist kein Müllschlucker!

Dennoch werden in vielen Haushalten noch Dinge in das Klo geworfen, die dort überhaupt nichts zu suchen haben. Zigarettenkippen, Kleintierstreu, Tampons, Kondome, Binden, Windeln und ähnliches sind Abfallstoffe, die in die Restmülltonne gehören. Diese Störstoffe können in den Kläranlagen nur mit erheblichem Aufwand wieder entfernt werden. Und das kostet unser aller Geld!

Ebenso gehören Speisereste und Fette/Öle nicht in das Abwasser! Neben Rohrverstopfungen verursachen sie auch andere unangenehme Begleiterscheinungen. Speisereste in der Kanalisation sind häufig die Hauptursache für Rattenplagen. Kanalisationsbauten und die vorbeitreibenden Speisereste sorgen für gute Ernährungs- und damit Vermehrungsbedingungen der Nager, die bekanntlich Krankheiten übertragen.

In gar keinem Fall dürfen Medikamente durch Waschbecken oder Toilette entsorgt werden. Medikamente im Abwasser können zu erheblichen Störungen in der Kläranlage führen, indem sie die zur Abwasserreinigung dringend notwendigen Bakterienkulturen der biologischen Reinigungsstufe abtöten. Nicht mehr benötigte oder verfallene Medikamente sollen in die Apotheke zurückgebracht oder am Umweltmobil abgegeben werden.

Auch andere wassergefährdende Stoffe wie Farben, Lösungsmittel und Lacke dürfen nicht in das Abwasser gelangen. Dies gilt auch für Lackfarben auf Wasserbasis und selbst dann, wenn sie ein Umweltzeichen tragen. Sie müssen am Umweltmobil abgegeben werden!

Öl und Wasser vertragen sich nicht! Ein Liter Öl kann 1 Million Liter Wasser ungenießbar machen. Und das gilt nicht nur für Motoren- und Getriebeöle, sondern genauso auch für Speiseöle und Frittierfette.


Umweltbericht Herdecke 2004
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