![]() |
![]() ![]() |
Ruhrstauseen Harkortsee und Hengsteysee
Seit dem Mittelalter ist die Ruhr als Fluss durch eine Vielzahl menschlicher Eingriffe beeinflusst worden.
Mühlen mit Wehren wurden entlang der Ruhr und ihrer Nebenflüsse errichtet. Die Wälder innerhalb des Einzugsgebiets wurden gerodet, was eine verstärkte Erosion und eine damit verbundene Verschlammung der Auen zur Folge hatte. Der Fluss wurde begradigt, Altarme wurden abgeschnitten, um die Talflächen für die Landwirtschaft zu nutzen.
Die Begradigung führte zu einer Erhöhung der Fließgeschwindigkeit, welche eine Eintiefung des Flussbetts zur Folge hatte. Der Gewässertyp eines flachen, verzweigten, von Schotter dominierten Flusses veränderte sich hin zu einem schmaleren, tieferen Fluss, der auch für die Schifffahrt nutzbar war.
Die ersten Schleusen wurden 1780 gebaut; Ende des 18. Jahrhunderts waren bereits 16 Schleusen an der Ruhr in Gebrauch, von denen zwei noch heute aktiv sind. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war die Ruhr der meist befahrene Fluss in ganz Europa. Im Jahr 1874 kam die kommerzielle Schifffahrt (Transport von Kohle und Stahl) zu einem plötzlichen Ende, als die Ruhrtal Eisenbahn vollendet wurde.
FlußkläranlagenMit dem Zuwachs in der Kohleförderung im Ruhrgebiet stieg im 19. Jahrhundert auch der Abwasseranfall an. Um die Abwasserprobleme zu lösen, wurde 1929 der erste Ruhrstausee (Hengsteysee) gebaut. 1931 folgte der Harkortsee. Die Selbstreinigungskraft des Wassers sollte hier durch eine erhöhte Aufenthaltsdauer des Wassers gesteigert werden. Beide Stauseen, welche als natürliche Kläranlagen fungieren sollten, haben ein Stauvolumen von rd. 3 Mio. m³.
Die Funktion der Stauseen als Flußkläranlagen wird mittlerweile von den Kläranlagen ausreichend übernommen. Die Kläranlage Hagen-Vorhalle (siehe Nr.1 in der Karte), die im Jahr 2000 noch nicht das Ziel einer 75% igen Stickstoff-Verminderung erreicht hat, wird derzeit erweitert.
Eine besondere Problematik besteht in der geringen Fließgeschwindigkeit im Bereich der Ruhrstauseen, was zu einer Begünstigung von Algenblüten führt. Im weiteren Flußverlauf verschlechtert sich hierdurch die Wasserqualität auf Gewässergüte II-III (kritisch belastet).
TrinkwasserDie Wassergewinnungsanlage Hagen-Hengstey (2) nutzt das Ruhrwasser zur künstlichen Grundwasseranreicherung. Zum Schutz der Trinkwassergewinnung wurde das Wasserschutzgebiet Hengstey eingerichtet. Die Schutzzonen II/IIa (grün) und III/IIIa (gelb) sind für das Herdecker Stadtgebiet in der nebenstehenden Karte dargestellt.
WasserkraftNeben der Bedeutung für die Trinkwassergewinnung und die Freizeitgestaltung werden sowohl der Hengstey- als auch der Harkortsee zur Stromerzeugung mittels Wasserkraft genutzt.
Das Laufwasserkraftwerk Hengstey (3) erzeugt mit 3 eingebauten Turbinen im Durchschnitt 11 Mio kWh regenerativer Energie pro Jahr. Das deckt den durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.000 Haushalten. Das Laufwasserkraftwerk Stiftsmühle (4) erzeugt mit drei Turbinen je 830 Kilowatt pro Jahr weitere rund 7,5 Mio. kWh Strom.
Hinzu kommt das Pumpspeicherkraftwerk Koeppchenwerk (5). 1929 am neuen Hengsteysee errichtet, war es das erste Pumpspeicherkraftwerk dieser Größenordnung.
Schon damals bestand seine Hauptaufgabe in der Bereitstellung elektrischer Spitzenenergie. In Schwachlastzeiten, z.B. nachts wurde Wasser aus dem Hengsteysee in das 165m höher gelegene Becken (6) gepumpt. In Zeiten mit hohem Strombedarf floss das Wasser durch Turbinen und wurde so als gut regelbare Spitzenenergie genutzt.
Im Jahr 1989 wurde das neue Koepchenwerk mit einer 150 MW Pumpturbine in Betrieb genommen. Durch den verbesserten Gesamtwirkungsgrad von ca. 75% stieg der Arbeitsinhalt des Speicherbeckens auf 590.000 kWh.
Ausbaggerung HarkortseeJahrzehntelange hat der Harkortsee das Wasser der Ruhr und insbesondere das industriell stark belastete Wasser der Volme von Sink- und Schwebstoffen befreit. Durch die Verschlammung hat sich seit 1933 der Stauraum des Sees um rd. 20% verringert.
Von 1999 bis Mitte 2003 wurden rd. 300.000 m³ Sedimentmasse ausgebaggert und auf zwei Spülfeldern (7) deponiert. [3]
![]()
![]()
Die Ausbaggerung soll zu folgenden positiven Auswirkungen führen:
Tabelle 3: Kenndaten der Seen
Harkortsee Hengsteysee Ersteinstauung 1931 1929 Volumen 3,1 Mio. m³ 3,3 Mio. m³ Fläche 1,37 km² 1,36 km² mittlere Wassertiefe 2,21 m 1,94 m
|
Umweltbericht Herdecke 2004 www.herdecke.de |
Seitenanfang |



