Umweltbericht Herdecke 2004 ZurückWeiter


Wesentliche Beeinträchtigungen der Fließgewässer

Die unterschiedlichen Flächennutzungen und die mit ihnen verbundenen Wirkungen auf die Gewässer haben räumliche Schwerpunkte im Stadtgebiet von Herdecke. Sie betreffen sowohl die Wasserkörper als auch die Auen.

Im Westen überwiegen Waldflächen, im Nordosten dominieren landwirtschaftlich genutzte Flächen mit einzelnen Siedlungsbereichen. Der Südosten ist von dichter Bebauung geprägt. Hier sind die Fließgewässer häufig über lange Strecken verrohrt und überbaut.

Regelmäßig auftretende Belastungen sind Verrohrungen, Verfüllungen, Aufschüttungen, Teiche im Hauptschluß, unzureichend gestaltete Durchlässe und Querbauwerke sowie punktuelle stoffliche Belastungen bzw. standortunangepasste Nutzungen im Gewässerumfeld.

In der nachfolgenden Tabelle sind die wesentlichen Belastungen mengenmäßig erfasst.

Tabelle 2: Zusammenstellung wesentlicher Belastungen Herdecker Bäche
Belastungsart
Menge
Verrohrte und verfüllte Gewässerstrecken
8.640 m (17%)
Aufschüttungen, Verfüllungen
34 Stück
Teiche im Hauptschluss
44 Stück
Durchlässe mit erheblichen Barrierewirkungen
130 Stück
Querbauwerke mit erheblichen Barrierewirkungen (Strukturgüte-Index 6 und 7)
37 Stück

Überbauung, Verrohrung

Die fortschreitende Siedlungsausdehnung Herdeckes hat zu einigen erheblichen Verrohrungsstrecken geführt, entlang derer der Gewässererlebensraum vollständig beseitigt ist.

Hinzu kommen Aufschüttungen von Auen bzw. Gewässerumfeld, die den Austausch von Gewässer und Umland beeinträchtigen und den Hochwasserabfluß beschleunigen.

In landwirtschaftlich genutzten Bereichen und Hoflagen wurden die natürlichen Quellen und Oberläufe der Bäche häufig überschüttet. Kleinere Siepen wurden oft als Deponien für Erdmassen und Bauschutt verwendet.

Eine Belastung stellt zudem die Anlage von Reitplätzen in kleinen Siepen, Quellbereichen und Oberläufen dar. Durch Verfüllung und Planierung des Geländes werden hier ökologisch bedeutsame Standorte beseitigt. Dies betrifft insbesondere temporäre Quellen und Gewässer, die keine ganzjährige Wasserspende aufweisen.

Teiche

An zahlreichen Bächen stauen Teiche das Gewässer auf. Oft sind mehrere Teiche hintereinander geschaltet und die Überläufe als Abstürze ausgebaut.

Von Teichen und den damit verbundenen Stauen und auch Abstürzen gehen verschiedenartige Beeinträchtigungen aus.

Neben ihrer Wirkung als Wanderbarriere im Gewässer können sie nicht nur im Bereich der Teichflächen selbst, sondern auch im Unterlauf erhebliche Veränderungen des Temperatur-, Sauerstoff- und Nährstoffregimes des Baches auslösen. Hierdurch kann die Lebewelt insbesondere kleinerer Bäche mit geringen Abflussmengen erheblich beeinträchtigt werden.

Durchlässe

Nahezu alle Gewässer in Herdecke werden von Wegen gequert. Fast alle Durchlässe erfüllen die Anforderungen der „Blauen Richtlinie" nicht, d.h. entweder ist der Durchlassquerschnitt zu gering bemessen oder die Sohle des Durchlasses weist keine oder eine zu geringe Mächtigkeit auf.

Die parallel zu den größeren Bächen bzw. zur Ruhr verlaufenden Straßen besitzen eine besondere Barrierewirkung, da durch sie die Nebenläufe schon kurz oberhalb der Mündung verrohrt sind. Der Austausch zwischen größeren und kleineren Gewässern ist hierdurch eingeschränkt.

Stoffliche Belastungen

Neben den Belastungen durch Regenüberläufe, die die Kanalisation während eines Starkregens entlasten, wurden punktuelle stoffliche Belastungen aus der Landwirtschaft erfasst.

Hier handelt es sich zum einen um die Abschwemmung hängiger Ackerflächen mit Eintrag von Sediment, Nährstoffen und Pflanzenbehandlungsmitteln in Quellläufe.

Zum anderen kann die Einleitung der Abwässer von Siloflächen zu übermäßigen Schadstoffkonzentrationen führen.

Ablagerungen

Zahlreiche Gewässer sind stark durch Müll, Bauschutt und Pflanzenschnitt belastet.

Es handelt sich hierbei sowohl um Verpackungsmüll, der von Erholungssuchenden hinterlassen wird, als auch um gezielt abgelagerte Abfälle wie Autoreifen.

Kleinere Siepen werden regelmäßig durch die Auffüllung mit kleinerern Bauschuttmengen, Pflanzenschnittresten und mit überschüssigen Ernterückständen verunstaltet, beispielsweise beim Zulauf südlich des Erbbegräbnisses.

Eine Besonderheit stellt die systematische und offensichtlich fortgesetzte Ablagerung von Pflanzenschnittresten im Quellbereich des Zulaufes Semberg dar. Hier wird eine teilweise rekultivierte Inertstoffdeponie sukzessive mit Schnittmaterial über ihre Grenzen erweitert, so dass die angrenzenden Waldbestände und Quellläufe durch Einschüttungen geschädigt werden.

Maßnahmen

Durch die Beseitigung der aufgezeigten Beeinträchtigungen können Gewässergüte und insbesondere Gewässerstrukturgüte der Bäche verbessert werden. Dabei werden im Fließgewässerkonzept Maßnahmen jedoch nicht isoliert voneinander betrachtet. Vielmehr werden für die jeweiligen Gewässersysteme abgestimmte Maßnahmenbündel entwickelt, die das Gewässer insgesamt dem Ziel eines „guten ökologischen Zustandes" näher bringen.

Neben den im folgenden beschriebenen Gewässerentwicklungsmaßnahmen sollten bei zukünftigen Planungen und Maßnahmen im Gewässerumfeld u.a. folgende Hinweise beachtet werden:

  • Verbot von Verfüllungen und Verrohrungen
  • Einschränkung der Siedlungsentwicklung in Gewässernähe
  • Gestaltung von Durchlässen
  • Verbot von Teichen im Hauptschluß
  • Anlage von Gehölzstreifen an Gewässern


Abb. 6: Typische Beeinträchtigungen von Quellen und Bächen [2]

Aufschüttung durch Reitplatz Aufschüttung durch Reitplatz

Mülleintrag
Mülleintrag

übernutzte Aue
übernutzte Aue

verfüllter und vermüllter Quellbereich verfüllter und vermüllter Quellbereich

Teich im Hauptschluss Teich im Hauptschluss


Umweltbericht Herdecke 2004
www.herdecke.de
Zurück Weiter
Seitenanfang