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Von der Gewässergüte ...

Der Ennepe-Ruhr-Kreis bestimmt bereits seit 1973 die Inhaltsstoffe der Gewässer mittels chemisch-physikalischer Untersuchungen (Wassergüte). Da die Ergebnisse nur eine Momentaufnahme der Gewässerqualität darstellen können, wurde Anfang der 90er Jahre ergänzend das saprobiologische Untersuchungsverfahren eingeführt.

Durch Zusammenfassung von saprobiologischen, chemisch-physikalischen und ansatzweise gewässer-strukturellen Befunden erfolgt in einer abschließenden Beurteilung die Einstufung von Gewässerabschnitten in eine Gewässergüteklasse.

Gewässergüteüberwachungsnetz

Im Jahr 2000 gehörten 60 Bäche und Flüsse mit insgesamt 120 Messstellen zum Gewässergüteüberwachungsnetz des Ennepe-Ruhr-Kreises. In Herdecke befinden sich davon 14 Meßstellen an vier Bächen.

Abb. 3: Gewässergüteüberwachung in Herdecke
Gewässer
Meßstellen-Nr
Ender Mühlenbach
171, 172, 173
Herdecker Bach
14, 120, 130
Selmkebach
76, 75, 42, 72, 71, 73
Schnodderbach
122, 123
Saprobien-Index

Die biologische Gewässergüte wird durch Wasserlebewesen (Saprobiensystem/Bioindikatoren) bestimmt, die den Verschmutzungsgrad von Fließgewässern anzeigen. Die Lebensgemeinschaft im Wasser stellt das „Langzeitgedächtnis" eines Gewässers dar, da Organismen für Wachstum und Fortpflanzung Zeit brauchen.

Die Funktionsweise dieses „biologischen Indikatorsystems" ist einfach zu verstehen: Auch Wassertiere brauchen Sauerstoff, bestimmte Arten besonders viel, z.B. die Bewohner von Bergbächen, andere kommen mit weniger aus, z.B. die Arten eines Tieflandflusses.

Alle Gewässerbewohner haben jedoch bezüglich ihrer Sauerstoffansprüche ein bestimmtes Minimum. Wird dieses unterschritten, verschwinden anspruchsvollere Arten, und solche, die mit wenig Sauerstoff auskommen, breiten sich in Massen aus. In extrem belasteten und daher fast sauerstofffreien Gewässern (z. B. in der Emscher) findet man praktisch keine Makrozoobenthos-Arten. Mikroorganismen (Bakterien, Einzeller), die für die Abwasserreinigung wichtig sind, gelangen hier zu großer Entfaltung.

Das „offizielle" Saprobiensystem umfasst nach aktuellem Stand etwa 160 wirbellose Tiere, dazu einige Fischarten und eine Liste von Mikroorganismen. Fachleute erarbeiten ganz aktuell eine neue, erheblich längere Liste von Indikatoren, um das System nochmals zu verbessern.

Karte anzeigen

Diese Abbildung können Sie unter www.nua.nrw.de auch als Poster bestellen. [1]

Das Poster (der NUA) zeigt anschaulich einen kleinen Ausschnitt typischer, wirbelloser Tiere der heimischen Fliessgewässer, angeordnet in einer Spanne von Besiedlern der besten Gewässergüteklasse („sehr gut") bis zu Bewohnern übermäßig verschmutzter Abschnitte („schlecht"). Das Vorkommen und die Häufigkeit solcher Organismen, von denen jede Art oder Gattung einen „Saprobienwert" genannten Indikationswert hat, werden zu einem „Saprobienindex" für die untersuchte Probestelle verrechnet. Danach kann diese dann einer von fünf „Gewässergüteklassen" von „sehr gut" bis „schlecht" zugeordnet werden.

Gewässergüte in Herdecke

Der Herdecker Bach wird im Unterlauf, kurz vor Einmündung in die Ruhr, seit 1989 chemisch-physikalisch und seit 1994 auch saprobiologisch überwacht. Im Jahr 2000 wurden auch der Oberlauf und der Mittellauf des Herdecker Baches in das Gewässerüberwachungsnetz des Ennepe-Ruhr-Kreises aufgenommen. Ober- und Unterlauf wurden in die Gewässergüteklasse II/III eingestuft, während der Mitellauf die Gewässergüteklasse II erreicht.

Der Schnodderbach wird auf seiner Gesamtlänge bis auf den verrohrten Abschnitt im Bereich der Ruhr der Gewässergüteklasse II zugeordnet. Eine bessere Einstufung erfolgte aufgrund zu hoher CSB- und Phosphatwerte im Oberlauf und gewässerstruktureller Parameter im Unterlauf nicht.

Der Selmkebach wird seit 1994 saprobiologisch und größtenteils auch wasseranalytisch überwacht. Der Oberlauf und der Mittellauf werden aufgrund der Messungen für 2001 in die Gewässergüteklasse I/II eingestuft. Der Unterlauf weist zwar keine erhöhten CSB-Werte mehr auf, wird aber wegen der Saprobien-Indexwerte der Gewässergüteklasse II bzw. II/III zugeordnet.

Der Ender Mühlenbach wurde 2003 in die Gewässerüberwachung aufgenommen. Die Quellbachzone und die obere Bachzone wurden trotz Unterschreitung der Güteanforderungen der Gewässergüteklasse II/III zugeordnet, da eine standortgemäße Bachfauna im Oktober 2003 nicht dokumentiert werden konnte. Der mittlere Bachbereich konnte aufgrund saprobiologischer und wasseranalytischer Ergebnisse in Güteklasse II eingestuft werden.

Bei den Gewässergütekarten handelt es sich zunächst um Karten der Wasserqualität. Neben der Gewässergüte hat sich daher das Verfahren zur Bestimmung der Gewässerstrukturgüte etabliert.


Umweltbericht Herdecke 2004
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